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Geschichte

Kleine Dorfchronik / 1875 – 2000 Chorgesang Engenhahn / 125 Jahre / Festtage vom 16.-18. Juni   2000
Von Willi Schwarz
Chronist und Dorfschreiber

 E n g e n h a h n   –   e i n   D o r f   i m   W a n d e l
Die Siedlungen des Taunuslandes, also des Gebietes zwischen Rhein, Main, Wetter und Lahn, sind in ihrer übergroßen Mehrzahl Gründungen der fränkischen bezw. mittelalterlichen Siedlungsperiode aus dem sechsten bis vierzehnten Jahrhundert. Im Gegensatz zur alteingesessenen, alemannischen Bevölkerung, die ihre Wohnstätten stets am oberen Ende eines Seitentales errichtete, erbauten nun die fränkischen Herren an allen strategisch wichtigen Punkten ihre Ansiedelungen (Adelshöfe). Die ehemals freie Urbevölkerung wurde unfrei und zu Fron und Zehnten zugunsten des neuen Adels verpflichtet.
Erste Aufzeichnungen über unsere Dorfgeschichte sind aus den Schriften der Römer bekannt. Im Jahre 15 n. Chr. legten sie in der hiesigen Gegend römische Kastelle (Saalburg, Zugmantel bei Taunusstein – Neuhof) an. Sie begannen den Pfahlgraben (Palum) bezw. Limes (Grenzwall) zu bauen. Dieser verlief ca. 3 km nördlich unseres Dorfes Engenhahn und kreuzte die Trompeter-/Siebenhügelstraße, die von Wiesbaden nach Idstein führt und als Post- und Handelsstraße bekannt war, letzere wurde bereits von den Kelten um 375 n. Chr. angelegt. Noch gibt es für Engenhahn keine geschriebene Chronik in Buchform. Es gibt aus den Ortsvereinen, der Schulchronik und der Gemeinde Niedernhausen solche Aufzeichnungen, jedoch auch diese sind Einzelwerke von recht punktueller Betrachtungsweise. Zusammengefügt könnten so Schwerpunktsthemen aus den Einzelwerken unter dem möglichen Buchbegriff „Volksbuch Engenhahn“ ein Spiegelbild unserer Dorfgemeinschaft und dem Wirken seiner Menschen in ihrem nahen Lebensraum für kommende Generationen sein, gleichzeitig aber auch Zeugnis gebe, Engenhahn, das Dorf im Wandel der Zeit. Einen guten Eindruck von der Lage und Ausdehnung Engenhahns erhält man von dem sogenannten Wiesbadener Berg (Lehmkaute/Sauwasen), der schon eine Höhenlage von 500 m ü. N.N. aufweist und an den sich in westlicher Richtung das Wohngebiet Wildpark an- schließt. Eingebettet zwischen Höllenberg (Hellberg), dem Köppchen und dem Lenzenberg, verläuft das Hochtal in nordöstlicher Richtung und steigt von 360 m ü. N.N. im Osten bis auf 530 m ü. N.N. im Westen an. Auf 400 m ü. N. N. des Tales liegt der Ursprung des alten Ortsteiles Engenhahn.
Eine überlieferte Kunde besagt, dass ein Mönch namens Unicho, der aus dem Kloster Bleidenstadt kam, an der Stelle gegenüber dem alten Rathaus (erbaut 1768), wo heute das Wohnhaus von R. Prag steht, dem sogenannten Dorfmittelpunkt, einen Meierhof (Klause) errichtete und dort im Haage (Wald) gelebt hat. Aus der Bezeichnung Unicho im Haag hat sich allmählich die älteste Form des Namens  „Unechinhagin“ gebildet. Mit einem Meierhof fing es direkt an. Dieser war aber Ausdruck für den Beginn und das Heranwachsen bis zu dem heutigen Dorfgebilde, welches sicher schon sehr viel älter ist und bis in das Jahr 800 zurückreichen kann. Zu dieser Zeit bestand schon das Kloster Bleidenstadt, welches von den Benediktinern gegründet wurde. Wallfahrer benutzten damals das Tal durch Engenhahn auf ihren Fußwegen zu den Gebeinen des Heiligen Ferrutius, Kirchenpatron in Bleidenstadt. In der Originalurkunde aus dem Jahr 1221, die im bayerischen Hauptstaatsarchiv München als Mainzer Urkunde 3202 aufbewahrt wird, wird das Dorf Engenhahn erstmals urkundlich als „Unechinhagin“ erwähnt.

Die harten Jahre des 30jährigen Krieges brachten auch Engenhahn in große Bedrängnis. Am Endes des großen Krieges gab es in Engenhahn nur noch drei Familien. Um 1652 holte deshalb Graf Johann von Nassau-Idstein (1627 – 1677) etwa einhundert wallonische Familien mit katholischem Glauben aus dem Fürstbistum Lüttich in sein Land und verteilte diese auf die drei Orte: Engenhahn, Königshofen und Niedernhausen. Diese Orte werden daher auch als die „Wällchen Dörfer“ bezeichnet.
Engenhahn Kirche Sk. Martha 2001 Um das Jahr 1875 hatte Engenhahn noch wenig mehr als zweihundert Einwohner. Engenhahn gehörte aus katholischer Sicht bis 1888 zu Oberjosbach und wurde danach Idstein zugeordnet. Erst im Jahre 1922 wurde die Kapellengemeinde Engenhahn errichtet, zuvor wurde bereits 1890 das Gotteshaus begonnen und 1891 am 07. Juni eingeweiht. Im Jahr 1969 wurde „St. Martha“ zur Pfarrvikarie erhoben und führt ab diesem Jahr eigene Kirchenbücher. Die evangelischen Christen benutzen seit dieser Zeit, in vierzehntägiger Folge, das Gotteshaus mit.
 Engenhahn hat nach dem zweiten Weltkrieg viele Vertriebene und Flüchtlinge auf-genommen, die hier ihre neue Heimat gefunden haben. Der Zuzug ist bis heute unge-bremst. Die Bebauung im Wohngebiet Wildpark wurde 1954 begonnen. Ein Abschluss dieses städtebaulich amüsanten, besonderen Baugebietes ist noch nichtabzusehen. Im alten Dorfgebiet werden die letzten Baulücken geschlossen und um das Baugebiet Forsthaus- straße erweitert. Im städtebaulichen Gesamtbildhäufen sich in der jüngsten Zeit Bebauungs-verdichtungen, die den dörflichen Charakter verwischen lassen. Diese Entwicklungen, gilt es ernsthaft und kritisch zu überdenken.

Die Geschichte hat gezeigt, dass Bestehendes nur darin von dem zerstörerischen Einfluss bewahrt werden kann, wenn es, der Zeit zwar angepasst, sinnvoll weiterentwickelt wird. Immer wieder ökonomische, soziale und geistige Bewegungen in unseren Dörfern Entwick- lungen auslösen, die sich nicht ausschließen lassen. Es geht also noch heute darum, deren
Eigenart und Eigenkultur zu erhalten und Überlieferungen aus der Vergangenheit den ver- änderten Gegebenheiten anzupassen und darüber hinaus, weitere wirtschaftliche, kulturelle und sonstige Funktionen zu übernehmen. Die menschlichen Daseinsformen unterliegen einem ständigen Wechsel, der sich in bedeutsamer Weise seit 1975 in unseren Dörfern vollzogen hat sowie ihn die Städte im vorigen Jahrhundert erlebt haben. Es Entstand das Bild eines zentralen Ortes, welches schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland zu beobachten war. Man kann hierzu von einer „Verstadtlichung“ der Bevölkerung sprechen, die ein Zusammendrängen von Menschen zur Folge hat. Engenhahn hat sich in den letzten Jahrzehnten in mehrere getrennte Wohngebiete vergrößert. Sie umfassen vorwiegend die Peripherie. Man kann auch sagen, sie bilden einen Ring der Bebauung um den historischen Ortskern, und dort entstehen neue Eigenleben!

 Engenhahn ist seit 1977 ein Ortsteil der Großgemeinde Niedernhausen. Die neue kommunalpolitische Verwaltungseinheit entstand im Zuge der hessischen Gebiets- und Verwaltungsreform vom 26. Juni 1974, die 1977 amtlich vollzogen wurde. Nach der Neugliede-rung bildete sich mit Wirkung vom 01. April 1977 der Rheingau – Taunuskreis.

Früher herrschten bäuerliche Sitten und Gewohnheiten vor. Das alte Dorf ruhte in der Geschlossenheit seiner Menschen, deren Ordnung sich auf die Familie, Nachbarschaft und im besonderen auf die Dorfgemeinschaft gründete. Engenhahn ist aus der Rolle eines Bauerndorfes herausgewachsen, Ackerbau und Viehzucht haben ihre Bedeutung verloren.
Hieraus ergeben sich die Fragen, ob es das Dorf von Morgen überhaupt noch geben wird und vor allen Dingen gebraucht wird. Das Dorf und das Dorfgebiet stehen in einem bestimmten Verhältnis und in diesem Sinne sollte unser Dorf, seine gesamte Fläche verstanden werden. Wälder und Felder, Wiesen und Auen, die unserer Landschaft ihren optischen Reiz geben und Lebensraum für zum Teil seltene Flora und Fauna bieten, müssen erhalten undgepflegt werden. Die stille Beschaulichkeit, die in sich ruhende Gelassenheit, so- zusagen das ländlich-dörfliche Gleichgewicht früherer Zeiten ist es wert, über eine behutsame, landschaftsschonende Fortentwicklung nachzudenken. Die natürlichen Ressour- cen müssen unter allen Umständen für künftige Generationen bewahrt werden. Mit seinen fast 1500 Einwohner, muss Engenhahn ein Stück Natur, ein Stück Heimat, eine Dorfgemeinschaft bleiben.
Brauchtum ist die Inszenierung der Tradition, Weisheiten, die das Leben bestätigt hat, sie werden zu Zeichen und Bildern, in jedem steht das Beste.
                                                   W.S.
Martha von Bethanien
Name bedeutet: die Herrin oder: die Bittere (hebr.)
Gedenktag ist der 29. Julimartha

 

Martha war die ältere Schwester des Lazarus und der Maria von Bethanien. Sie gehörte zum engeren Freundeskreis Jesu; nur von diesen dreien wird – abgesehen von Johannes – berichtet, dass Jesus sie lieb hatte (Johannesevangelium 11, 5). Martha bewirtete Jesus (Lukasevangelium 10, 38 – 42), als er bei ihr und ihrer Schwester zu Gast war. Nach dem Johannesevangelium (12, 1 – 3) bewirtete sie Jesus auch, als er von der unbekannten Frau gesalbt wurde. Martha ergriff dann die Initiative, Jesus nach dem Tod ihres Bruders um Hilfe zu bitten (Johannesevangelium 11, 20) und legte das Bekenntnis ab: Ja, Herr, ich habe den Glauben gewonnen, dass du der Christus, der Sohn Gottes bist (Johannesevangelium 11, 27).
Die Legende lässt sie später mit ihren Geschwistern und weiteren Begleitern von Juden in ein segel- und steuerloses Boot auf dem Meer ausgesetzt werden und durch ein Wunder in Marseille landen. Hier habe sie ein Kloster errichtet und mit gleichgesinnten Frauen mehr als 30 Jahre gelebt.
Eine provençalische Legende erzählt, dass Martha in der Nähe des später so genannten Tarascon im Rhônetal den Menschen fressenden Drachen Tarasque mit Kreuzzeichen und Weihwasser – oder Weihrauch – bändigte und an ihrem Gürtel nach Arles führte, um ihn dort seinem eigentlichen Bestimmungsort, dem breiten Fluß der Rhône, zu übereignen. Eine andere Fassung sagt, dass die Leute in Tarascon den Drachen töten wollten, weil sie Angst vor ihm hatten, Martha ihn aber in einer Höhle versteckte und so auch sein Leben rettete.
Diese Legenden entstanden, nachdem 1187 in Tarascon ein Leichnam entdeckt wurde, den man mit dem Marias identifizierte. Die voll ausgebildete Version enthält die im 12. Jahrhundert von einem Zisterziensermönch verfasste Vita SS. Mariae Magdalenae, Marthae et Lazari.
 Martha beim BackenMartha zähmt den Drachen Tarasque, Martha-Altar in der St.-Lorenz-Kirche in Nürnberg
Es ist anzunehmen, dass die Vorstellung vom Umgang mit Tieren in Haus und Hof, der zum Bild ihrer hausfraulichen Tätigkeit gehört, dazu führte, ihr diese Tat zuzuschreiben. Bischof Fronto von Périgueux hielt ihr nach der Legenda Aurea, die Martha als aus königlichem Geschlecht stammend beschreibt, die Totenmesse und legte sie ins Grab. Darüber wurde im 12. Jahrhundert die Kirche Sainte-Marthe gebaut, wo bis heute Reliquien gezeigt werden.
Martha wurde oft als Urbild der biederen Hausfrau angesehen; Meister Eckart dagegen sah Marthas Vorzüge gegenüber ihrer Schwester: während Maria noch lernen musste, konnte Martha schon handeln. Die Behauptung, dass Martha die Namensgeberin für die im süddeutschen Raum verwendete Bezeichnung Marterl für Bildstöcke gewesen sei, ist falsch; zum Unterschied zu den üblichen Betsäulen sind die so genannten Marterl im allgemeinen mit einer Inschrift versehen, die auf einen Unglücksfall hinweist, bei dem ein Mensch den Tod fand. Deshalb kommt Marterl von Martyrium, Leiden.
Attribute: schlichtes Kleid, Kochlöffel, Weihwedel oder Weihwasserkessel, Drachen an einem Strick
Patronin der Häuslichkeit; der Hausfrauen, Hausangestellten, Dienstmägde, Köchinnen, Wäscherinnen und Arbeiterinnen, Gastwirte, Hotelangestellten, Bildhauer und Maler; der Sterbenden; gegen Blutfluss