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Zur Geschichte von Engenhahn


Kleine Dorfchronik / 1875 - 2000 Chorgesang Engenhahn / 125 Jahre / Festtage vom 16.-18. Juni   2000
Von Willi Schwarz
Chronist und Dorfschreiber

E n g e n h a h n   -   e i n   D o r f   i m   W a n d e l
Die Siedlungen des Taunuslandes, also des Gebietes zwischen Rhein, Main, Wetter und Lahn, sind in ihrer übergroßen Mehrzahl Gründungen der fränkischen bezw. mittelalterlichen Siedlungsperiode aus dem sechsten bis vierzehnten Jahrhundert. Im Gegensatz zur alteingesessenen, alemannischen Bevölkerung, die ihre Wohnstätten stets am oberen Ende eines Seitentales errichtete, erbauten nun die fränkischen Herren an allen strategisch wichtigen Punkten ihre Ansiedelungen (Adelshöfe). Die ehemals freie Urbevölkerung wurde unfrei und zu Fron und Zehnten zugunsten des neuen Adels verpflichtet.


Erste Aufzeichnungen über unsere Dorfgeschichte sind aus den Schriften der Römer bekannt. Im Jahre 15 n. Chr. legten sie in der hiesigen Gegend römische Kastelle (Saalburg, Zugmantel bei Taunusstein - Neuhof) an. Sie begannen den Pfahlgraben (Palum) bezw. Limes (Grenzwall) zu bauen. Dieser verlief ca. 3 km nördlich unseres Dorfes Engenhahn und kreuzte die Trompeter-/Siebenhügelstraße, die von Wiesbaden nach Idstein führt und als Post- und Handelsstraße bekannt war, letzere wurde bereits von den Kelten um 375 n. Chr. angelegt. Noch gibt es für Engenhahn keine geschriebene Chronik in Buchform. Es gibt aus den Ortsvereinen, der Schulchronik und der Gemeinde Niedernhausen solche Aufzeichnungen, jedoch auch diese sind Einzelwerke von recht punktueller Betrachtungsweise. Zusammengefügt könnten so Schwerpunktsthemen aus den Einzelwerken unter dem möglichen Buchbegriff "Volksbuch Engenhahn" ein Spiegelbild unserer Dorfgemeinschaft und dem Wirken seiner Menschen in ihrem nahen Lebensraum für kommende Generationen sein, gleichzeitig aber auch Zeugnis gebe, Engenhahn, das Dorf im Wandel der Zeit. Einen guten Eindruck von der Lage und Ausdehnung Engenhahns erhält man von dem sogenannten Wiesbadener Berg (Lehmkaute/Sauwasen), der schon eine Höhenlage von 500 m ü. N.N. aufweist und an den sich in westlicher Richtung das Wohngebiet Wildpark an- schließt. Eingebettet zwischen Höllenberg (Hellberg), dem Köppchen und dem Lenzenberg, verläuft das Hochtal in nordöstlicher Richtung und steigt von 360 m ü. N.N. im Osten bis auf 530 m ü. N.N. im Westen an. Auf 400 m ü. N. N. des Tales liegt der Ursprung des alten Ortsteiles Engenhahn.
Eine überlieferte Kunde besagt, dass ein Mönch namens Unicho, der aus dem Kloster Bleidenstadt kam, an der Stelle gegenüber dem alten Rathaus (erbaut 1768), wo heute das Wohnhaus von R. Prag steht, dem sogenannten Dorfmittelpunkt, einen Meierhof (Klause) errichtete und dort im Haage (Wald) gelebt hat. Aus der Bezeichnung Unicho im Haag hat sich allmählich die älteste Form des Namens  "Unechinhagin" gebildet. Mit einem Meierhof fing es direkt an. Dieser war aber Ausdruck für den Beginn und das Heranwachsen bis zu dem heutigen Dorfgebilde, welches sicher schon sehr viel älter ist und bis in das Jahr 800 zurückreichen kann. Zu dieser Zeit bestand schon das Kloster Bleidenstadt, welches von den Benediktinern gegründet wurde. Wallfahrer benutzten damals das Tal durch Engenhahn auf ihren Fußwegen zu den Gebeinen des Heiligen Ferrutius, Kirchenpatron in Bleidenstadt. In der Originalurkunde aus dem Jahr 1221, die im bayerischen Hauptstaatsarchiv München als Mainzer Urkunde 3202 aufbewahrt wird, wird das Dorf Engenhahn erstmals urkundlich als "Unechinhagin" erwähnt.
Die harten Jahre des 30jährigen Krieges brachten auch Engenhahn in große Bedrängnis. Am Endes des großen Krieges gab es in Engenhahn nur noch drei Familien. Um 1652 holte deshalb Graf Johann von Nassau-Idstein (1627 - 1677) etwa einhundert wallonische Familien mit katholischem Glauben aus dem Fürstbistum Lüttich in sein Land und verteilte diese auf die drei Orte: Engenhahn, Königshofen und Niedernhausen. Diese Orte werden daher auch als die "Wällchen Dörfer" bezeichnet.
Um das Jahr 1875 hatte Engenhahn noch wenig mehr als zweihundert Einwohner. Engenhahn gehörte aus katholischer Sicht bis 1888 zu Oberjosbach und wurde danach Idstein zugeordnet. Erst im Jahre 1922 wurde die Kapellengemeinde Engenhahn errichtet, zuvor wurde bereits 1890 das Gotteshaus begonnen und 1891 am 07. Juni eingeweiht. Im Jahr 1969 wurde "St. Martha" zur Pfarrvikarie erhoben und führt ab diesem Jahr eigene Kirchenbücher. Die evangelischen Christen benutzen seit dieser Zeit, in vierzehntägiger Folge, das Gotteshaus mit.
Engenhahn hat nach dem zweiten Weltkrieg viele Vertriebene und Flüchtlinge auf-genommen, die hier ihre neue Heimat gefunden haben. Der Zuzug ist bis heute unge-bremst. Die Bebauung im Wohngebiet Wildpark wurde 1954 begonnen. Ein Abschluss dieses städtebaulich amüsanten, besonderen Baugebietes ist noch nichtabzusehen. Im alten Dorfgebiet werden die letzten Baulücken geschlossen und um das Baugebiet Forsthaus- straße erweitert. Im städtebaulichen Gesamtbildhäufen sich in der jüngsten Zeit Bebauungs-verdichtungen, die den dörflichen Charakter verwischen lassen. Diese Entwicklungen, gilt es ernsthaft und kritisch zu überdenken.
Die Geschichte hat gezeigt, dass Bestehendes nur darin von dem zerstörerischen Einfluss bewahrt werden kann, wenn es, der Zeit zwar angepasst, sinnvoll weiterentwickelt wird. Immer wieder ökonomische, soziale und geistige Bewegungen in unseren Dörfern Entwick- lungen auslösen, die sich nicht ausschließen lassen. Es geht also noch heute darum, deren
Eigenart und Eigenkultur zu erhalten und Überlieferungen aus der Vergangenheit den ver- änderten Gegebenheiten anzupassen und darüber hinaus, weitere wirtschaftliche, kulturelle und sonstige Funktionen zu übernehmen. Die menschlichen Daseinsformen unterliegen einem ständigen Wechsel, der sich in bedeutsamer Weise seit 1975 in unseren Dörfern vollzogen hat sowie ihn die Städte im vorigen Jahrhundert erlebt haben. Es Entstand das Bild eines zentralen Ortes, welches schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland zu beobachten war. Man kann hierzu von einer "Verstadtlichung" der Bevölkerung sprechen, die ein Zusammendrängen von Menschen zur Folge hat. Engenhahn hat sich in den letzten Jahrzehnten in mehrere getrennte Wohngebiete vergrößert. Sie umfassen vorwiegend die Peripherie. Man kann auch sagen, sie bilden einen Ring der Bebauung um den historischen Ortskern, und dort entstehen neue Eigenleben!
Engenhahn ist seit 1977 ein Ortsteil der Großgemeinde Niedernhausen. Die neue kommunalpolitische Verwaltungseinheit entstand im Zuge der hessischen Gebiets- und Verwaltungsreform vom 26. Juni 1974, die 1977 amtlich vollzogen wurde. Nach der Neugliede-rung bildete sich mit Wirkung vom 01. April 1977 der Rheingau - Taunuskreis.
Früher herrschten bäuerliche Sitten und Gewohnheiten vor. Das alte Dorf ruhte in der Geschlossenheit seiner Menschen, deren Ordnung sich auf die Familie, Nachbarschaft und im besonderen auf die Dorfgemeinschaft gründete. Engenhahn ist aus der Rolle eines Bauerndorfes herausgewachsen, Ackerbau und Viehzucht haben ihre Bedeutung verloren.
Hieraus ergeben sich die Fragen, ob es das Dorf von Morgen überhaupt noch geben wird und vor allen Dingen gebraucht wird. Das Dorf und das Dorfgebiet stehen in einem bestimmten Verhältnis und in diesem Sinne sollte unser Dorf, seine gesamte Fläche verstanden werden. Wälder und Felder, Wiesen und Auen, die unserer Landschaft ihren optischen Reiz geben und Lebensraum für zum Teil seltene Flora und Fauna bieten, müssen erhalten undgepflegt werden. Die stille Beschaulichkeit, die in sich ruhende Gelassenheit, so- zusagen das ländlich-dörfliche Gleichgewicht früherer Zeiten ist es wert, über eine behutsame, landschaftsschonende Fortentwicklung nachzudenken. Die natürlichen Ressour- cen müssen unter allen Umständen für künftige Generationen bewahrt werden. Mit seinen fast 1500 Einwohner, muss Engenhahn ein Stück Natur, ein Stück Heimat, eine Dorfgemeinschaft bleiben.
Brauchtum ist die Inszenierung der Tradition, Weisheiten, die das Leben bestätigt hat, sie werden zu Zeichen und Bildern, in jedem steht das Beste.
                                                   W.S.

Engenhahns Gründung geht auf die Gründung des Klosters Bleidenstadt im Jahre 775 zurück, in dessen Umkreis so genannte Meierhöfe errichtet wurden. Ein Mönch mit Namen "Enicho" gründete einen solchen und war damit Namensgeber von Engenhahn: "Enicho im Hag" bzw. "Unechenhagin". Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1221.

Das Rathaus von Engenhahn wurde um 1768 errichtet, wurde als Backes genutzt, diente ab 1820 als Schule und beherbergte später bis 1977 die Gemeindeverwaltung. Das Gebäude ist ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus. Seine wechselhafte Geschichte und Bedeutung für das Bergdorf Engenhahn ist an der Giebelseite in Versform festgehalten. Der letzte Vers wurde anlässlich der letzten Renovierung von Dorfschreiber und Ortschronist Willi Schwarz angefügt.
Wandrer rast und merk' es Dir:
So lang steht dieses Haus schon hier.
Als Schule und als Gotteshaus
hat es gedient jahrein jahraus.


Auch Brot und Kuchen fein zum Knacken
hat man schon hier gebacken.


Die Feuereimer, Feuerspritze
tut dieses Haus heute beschützen.
Gemeinde Rathaus recht und schlicht
erfüllt es jetzo seine Pflicht.


1976 mit der Verwaltungswende
ging des Rathaus' Pflicht zu Ende
Ergänzend schreibt der Chronist,
nun hier der Ortsvorsteher ist.
Verkehrsverein und Ortsbeirat
sind für die Bürger hier mit Rat und Tat.


Zur Geschichte von St. Martha (Kurzfassung)

Sowie im Jahre 1891 ein zunächst Außenstehender Kaplan Schilo die Initiative startete, für den Bau der Kapelle. Überall sammelte er Spenden, diese kamen aus allen deutschen Landen, insbesondere aus dem Rheinland, Westfalen, Schlesien, Ost - und Westpreußen, es kamen russische Rubel, amerikanische Dollars, sogar eine Spende aus Alexandrien und nicht zuletzt aus ganz Europa. So konnte damals diese Stätte der Begegnung der Menschen in Gott, seinem Wort und seinen Sakramenten geschaffen werden.
Von Idstein aus begaben sich die Priester hier in das schön gelegene Bergdorf Engenhahn, wo nach der Weihe der Kapelle ein Hochamt unter der Teilnahme der ganzen Bevölkerung, von Dekan Wolf, Camberg, zelebriert wurde. - Der Tag wurde im ganzen Dorf festlich begangen, so steht es in der Kirchenchronik in Idstein: Seite 44 und 45
Pfarrer Schilo hatte die Kapelle persönlich auf den von ihm erworbenen Grund und Boden (Eigentum) gebaut. Etwas eigenartig, aber Geschichte. Es stellte sich nun die Frage, wie das Eigentum für die Zukunft sicher zu stellen sei, da Engenhahn keine eigene kirch- liche Gemeinde (Rechtssubjekt) bildete und Schritte in dieser Beziehung bei der kirchlichen Behörde keine Aussicht auf Erfolg hatten, so blieb nur die Überschreibung auf die Pfarrgemeinde Idstein übrig. Der Kirchenvorstand erklärte sich bereit, die Kapelle zu übernehmen, ihr den Rechtsschutz zu gewähren, jedoch müsse die Gemeinde Engenhahn, d.h. die dortigen Katholiken die Unterhaltungskosten selbst tragen. Auch erklärte der Kirchenvorstand, keine Schwierigkeit erheben zu wollen, wenn im Laufe der Zeit die bischöfliche Behörde, die Übertragung der Kapelle auf ein anderes Rechtssubjekt verfügen wolle. Die Engenhahner verstanden die Sachlage (Fehlen eines Rechtssubjektes in Engenhahn) nicht und wollten von der Überschreibung auf die Pfarrei Idstein nichts wissen. Da jedoch ein anderer Ausweg nicht fand, so wartete der Pfarrer Schilo die Beruhigung der Gemeinde ab, leitete später die Sache ein und so erfolgte die Übertragung auf die Pfarrgemeinde Idstein durch Akt von 30 sten November 1894, also drei Jahre später nach dem Bau der Kapelle, in Form eines Vertrages der betreffenden Gründstücke. Somit war nun alles glücklich geregelt! Regelmäßige Gottesdienste wurden in Engenhahn erst ab 1918 gehalten. Bis dahin mussten die Engenhahner Katholiken an Sonn- und Feiertagen den Weg zur Idsteiner Pfarrkirche machen
. Am 01.April 1922 wurde dann formal die Kapellengemeinde St. Martha Engenhahn errichtet.


Willi Schwarz Dorfschreiber    

1992
1998

Die "Hohe Kanzel" Hausberg der Engenhahner
Viele von uns erinnern sich bei diesem Namen an längst vergangene Schulwanderungen durch ein relativ großes und geschlossenen Waldgebiet und zusammen mit den Bergkuppen von Zieglerskopf und Hohen Wald auch beachtliches Bergmassiv, dass die Taunusquertäler des Theisbachs und des Daisbachs trennt. Durchzogen von uralten Pfaden und Wegen, gespickt mit zahlreichen verlassenen Stellen an denen früher Eisenerz gefördert wurde und unzähligen, noch heute erkennbaren Kohlenmailerplätzen, bildete dieses zwischen Königshofen, Niederseelbach und Engenhahn gelegene Teil Taunus schon immer den passenden, geheimnisvollen Rahmen für Anecktoden und Geschichten.

Beschränken wir uns speziell auf die Hohe Kanzel deren jetziger Name übrigens genau so wie der Name des Taunus erst seit ca. 200 Jahren im Gebrauch ist. Doch dazu später mehr.


Noch heute sagt man in Engenhahn  "Wenn Einer auf die "Hohe Kanzel" wandert und nicht mehr auf den Felsen klettern kann, so sind seine irdischen Tage gezählt."
; lm 1913 von Karl Jacobi herausgegebenen nassauischen Heimatbuch findet sich auf Seite 519 ein weiterer interessanter Hinweis von Wilhelm Kobelt  auf unseren Hausberg. Indem er einen großen Teil des Handlungsraums der Nibelungensage in und an den Taunus verlegt schreibt er:


„Auch ein anderes großes Abenteuer der Siegfriedsage, von dem aber das Lied der Nibelungensage schon nichts mehr weiß, hat seinen Schauplatz im Taunus gehabt. Ein Drache - diesmal von der geflügelten Rasse, aber auch ein verzauberter Riese - hat die Tochter des Burgunderkönigs Eibich, die schöne Chriemhild, geraubt und hält sie auf dem Drachenstein gefangen. Als Siegfried nach seinen Ritt durch die Waberlohe und der seiner Trennung von einer befreiten Walküre durch den dichten Wald reitet, hört er das Klagen der Gefangenen , kann aber den von einen Zauberer behüteten Drachenstein nicht finden. Da begegnet ihm im dichten Wald der Zwergkönig Alberich zu Pferd mit der goldenen Krone auf dem Haupt. Nach hartem Kampf wird der mit dem zauberkundigen Zwerge überwältigt ihn der Held, nimmt ihm die unsichtbarmachende Tarnkappe ab und zwingt ihn, ihn zu dem Aufgange zum Drachenstein zu führen. Diesen hütet der Riese Kuperan. Wieder kommt es zu einem schweren Kampfe, bis der Riese den Aufgang freigibt; noch zweimal fällt der Riese den Helden tückisch an, bis dieser ihn endlich von der Spitze des Felsens herabstürzt. Aber noch ist die Jungfrau nicht befreit. Nun stürmt der Drache feuerspeiend durch die Luft herbei, und es entspinnt sich ein entsetzlicher Kampf, dass der Fels in seinen Grundfesten erbebt und die Zwerge, die Untertanen Alberichs, den Nibelungenschatz heraustragen, weil sie glauben, der Drachenstein müsse einstürzen. Endlich gelingt es Siegfried den drachen zu töten, befreit die Jungfrau und bringt sie zu ihren Eltern..............."
und Wilhelm Kobelt schreibt weiter:  
„Daß der Drachenstein der Fels auf der „Hohen Kanzel" gewesen, ist niemals vergessen worden. Erführte noch in der Karolingerzeit den Namen Brunhildenstein.


Und tatsächlich taucht dieser Name Brunhildenstein zweimal noch in bedeutenden Urkunden in Erscheinung.


Am 6. Juni 812 weiht der Mainzer Erzbischof Richulf die Kosterkirche zu Bleidenstadt. (Gründung des Klosters 788)  Dabei findet sich eine Beschreibung des Klosterbezirkes: „Beschreibung der Gemarkung und Begrenzung, die der ehrwürdige Richolfus, Erzbischof der Stadt Mainz, der Kirche des heiligen Ferrutius (derSchutzheilige desKlosters, ein römischer Soldat, der am 28. Oktober des Jahres 300 den Märtyrertod zu Mainz Kastell starb),


In der Beschreibung der Grenzen des Klosterbezirkes, der „Terminei" oder Inventariesierungsurkunde, heißt es:
„Jene Grenze beginnt am Londerbach... zieht sich von der Bubenheimer Straße bis zum Pfahlgraben hin und um den Pfahlgraben herum bis zur Wörsdorfer Straße und von da zum Brunhildenstein, von da zum Brunhildenforst, von da zur Bockendun Eiche und zur Aulnerhütte (die heutige Platte)


und in einer heute im Bayrischen Hauptstaatsarchiv München aufbewahrten Urkunde aus dem Jahr 1221, die Grenzstreitigkeit zwischen den Mainzer Domherren und den Grafen von Nassau um die Burg Sonnenberg regelte.


„Auf dem Felde, das Hagenehe genannt wird, befindet sich ein Grenzstein, der die Gemarkungen und Zehnten zwischen Birgestadt und Wisebaden trennt. Von diesem Stein geht man in den Wald Binegartin an den Ort, der Arnoldisrod genannt wird, wo sich ebenfalls ein Stein befindet; Von dem steigt man zum Wasser hinab und durch jenes Wasser erfolgt der Anstieg zur Bernhardsquelle. Anschließend zum Berge, der heißt Brunhildestein. Danach nach Unechinhagin zum Wasser und durch jenes Wasser nach Seelbach. Darauf zum Wasser, das Dussina  genannt wird, dann über den Weg, der Eselpfad genannt wird, bis zu hohen Buche. Danach auf dem Weg, der Keldre überschreitet und durch den Wald (bei Hessloch) auf dem alten Weg durch Hachelhart und durch Wachaldin bis zu dem Steine, der die Gemarkungen zwischen Kloppenheim und Bierstadt teilt.


Im Gemarkungsbereich Niedernhausen treten Quarzite eindrucksvoll in einigen sehenswerten Felspartien zutage. Den Gipel der Hohen Kanzel krönt ein Quarzitblock, auf dem im Jahre 1884 der Taunusclub einen 6 m hohen Aussichtsturm errichtet hatte, von dessen Plateau der Blick an klaren Tagen bis zum Odenwald und zum Spessart reichte.


In den 20er Jahren des inzwischen ja schon vergangenen Jahrhunderts wurde dieser Turm gesprengt


Die herumliegenden Stufen und Mauerreste des Turms verbunden mit den alten Volkssagen über Frau Holle Frau Holle, inspirierte zu folgender Sage: Hullefrau Hulda oder Holda ist nach altem Volksglauben die älteste Naturgöttin, die als Gemahlin Wodans das Wilde Heer begleitet. Als Herrin über die regenspendenden Wolken, Göttin der Fruchtbarkeit und der Brunnen ist sie auch Beschützerin der Frauen und Mägde. Sie erscheint ihnen als schöne Spinnerin im weißen Kleid und beweist in Volkssagen und Märchen eine freundliche, hilfreiche Gesinnung. Wenn es schneit, schüttelt sie ihre Betten, daß die Federn fliegen. Gleich Wodan fährt Frau Holle in den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Hl Dreikönig mit dem "Wütenden Heer" durch die Nacht.


Bei Engenhahn auf der Hohen Kanzel hatte Frau Holle ihr Zuhause. Früher hatte sie sich oft bei den Einheimischen im Tal sehen lassen, um ein Schwätzchen zu halten. Aber die Zeiten hat ten sich geändert. Die Menschen verehrten ihre heidnischen Gottheiten nicht mehr und brachten in den heiligen Hainen keine Opfer mehr dar. Sie hatten sich einem neuen Glauben zu gewandt. Frau Holle war menschenscheu geworden. Auf dem waldumrauschten Felsengipfel der Hohen Kanzel verkroch sie sich in ihrer Behausung. Dennoch durchstreifte sie in den zwölf heiligen Winternächten heimlich die Häuser - die Gehöfte. Segen brachte sie den Fleißigen, den ordentlichen Menschen, den Bösen aber widerfuhr mancherlei Missgeschick: die Brunnen versiegten, das Vieh erkrankte, den Mädchen und Frauen verwirrte sie die Spinnrocken. In dem schönen Maienmonat durchstreifte Frau Holle, als Kräuterweiblein weit und breit bekannt, die Wälder und Wiesen und wies zur Sommerzeit den Kindern die besten Beerenplätze. Frau Holle war in der Unwegsamkeit der Hohen Kanzel nicht allein. Aus grauer Vorzeit war der Riese Wode , der altgermanische Sturmgott Wotan hin und wieder an zutreffen. Er führte ein kümmerliches Dasein. Wehmütig erinnerte er sich der alten Zeiten, als er noch Herr der Lage war und mit prächtigem Gefolge durch die Lande zog. Das war lange her. Seine ganze Macht hatte Wode verloren, kaum wurde er noch geachtet, von den meisten ganz und gar vergessen. Mürrisch hockte  er in seiner dunklen Höhle und ließ sich tagelang nicht sehen.


Wenn aber Stürme und rauhes Unwetter über die Taunusgipfel brausten, regte sich in ihm die alte Wildheit. Mit dem Sturm raste er durch die Lande. Frau Holle wohnte ganz in seiner Nähe. Sie erbarmte sich seiner, gab ihm zu essen und hielt seine Kleidung und Behausung leidlich in Ordnung. Der alte Wode stand mit dem Hunger auf du und du. Er plagte ihn einfach immer. In einem großen Kessel kochte Frau Holle aus reifen Heidelbeeren einen köstlichen Brei. Der süße Duft stieß dem immer gefräßigen Riesen verlockend in die Nase. Gierig kam Wode herbei, packte den Kessel und nahm einen gewaltigen Schluck. Vor Schmerzen laut aufschreiend, der kochende Brei hatte seinen Schlund total verbrannt, benahm er sich wie ein reißender Wolf. Sich dennoch von dem köstlichen Trunk nicht trennen wollend, rief Frau Holle ihm lachend zu: „Blas' - Wode blas"! Tief Luft holend, blies der Geplagte mit aller Wucht in den kochenden Brei. Er blies so kräftig, dass ihm ein Teil des Kesselinhalts ins Gesicht spritzte und er sich totale Verbrennungen zuzog. Blauschwarz im Gesicht, verschmiert von einem Bein auf das andere tanzend, brüllte er wie eine Hammelherde.


Frau Holle stand dabei und lachte. Wode geriet in entsetzliche Wut. Er schleuderte das gesamte Mobilar der Frau Holle ins Tal hinab. Ein gewaltiger Trümmerhaufen lag unten am Berghang. Nur eine Schublade, in der Frau Holle Messer und Gabel aufbewahrt hatte, vergaß er. Sie wurde zu Stein und ist noch heute auf der Hohen Kanzel zu sehen.


Ende


Gedicht Frau Holle


Schneeflocke werbele um un um,
Im Garte blieht die Weihnachtsblum',
Frau Holle fährt im Dorf herum -
Schnurre, Rädchen, schnurre!


Der Mond guckt aus dem Wolkengraus,
Zeigt ihr de Weg zu jedem Haus,
Dass sie die flinkste findet raus -
Schnurre, Rädchen, schnurre!


Sieht sie wo noch einen Kerezeschein,
Frau Holle hält und schaut enein,
Die munter es Rädche drehn, belohnt sie fein -
Schnurre, Rädchen, schnurre!



 
 


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