St. Martha 120 Jahre - spd-engenhahn.de

Aus Dank ein großes Halleluja
Rückblick zum 120sten Weihetag  /  Kirche St. Martha Engenhahn am Dienstag, den 07. Juni 2011- Eine Kirche, die in ihrer Geschichte viele Änderungen gesehen hat, die das Auf und Nieder in der   Katholischen Kirchengemeinde bis heute eindrucksvoll erlebt.
In der Frühzeit 875 waren es die Ortschaften im Seelbacher Grund, Engenhahn, Lenzhahn, Niedernhausen, Nieder- und Oberseelbach und Königshofen, die unter der Obhut der Mainzer Bischöfe standen. Die rasante Vermehrung der Bevölkerung machte die Bildung neuer Pfarreien erforderlich, besonders die Zuordnung der Wallonischen Familien, meist Hütten- und Waldarbeiter aus der Gegend vom Fürstbistum Lüttich in Belgien(Brabant), die 1652 Graf Johannes von Nassau-Idstein hier angesiedelt hatte. Sie waren katholisch, und wurden die neuen Bürger von Engenhahn. Entsprechend den Vereinbarungen des west-fälischen Friedens 1648, durften die Neusiedler ihren angestammten katholischen Glauben bewahren, aber sie mussten dem Vorstand der evangelischen Pfarrei Niederseelbach (Parochialzwang) angehören, daher waren sie auch verpflichtet alle Pfarrabgaben gleich den evangelischen Pfarrangehörigen zu leisten.
Nach Gründung des Herzogtums Nassau 1806 wurde durch Edikt vom 07.05.1815 der Parochialzwang aufgehoben, und die Engenhahner Katholiken im Jahr 1819 von der Bindung an die evangelische Pfarrei Niederseelbach befreit. In Idstein waren wieder katholische Geistliche. Jetzt besuchten die Engenhahner Katholiken den Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen  in der Idsteiner Schlosskapelle, der immer einen beschwerlichen Fuß-weg, 1 ½ Stunde einfach, durch den Frauwald über den Hof Gassenbach bei Wind und Wetter, erforderte. Regelmäßige Gottesdienste in Engenhahn wurden erst ab 1918 angeboten. Es waren nicht immer Feiertage, die bemerkenswert waren, Jahr für Jahr sind sie zu Ende gegangen und es galt damals Perspektiven zu schaffen, wie auch heute, wo wir im pastoralen Raum leben und anders verwaltet werden; wagen wir einen modernen Blick in diese Erkenntnis hinein, der über den demographischen Wandel hinaus wachsen sollte. Also, ist Feiertagsstimmung zum 120sten Geburtstag angesagt, auch wenn dieser mitten in der Woche liegt! Überlegt stelle ich mir daher die Frage: Nehmen wir heute unser Kleinod Kirche noch richtig wahr? Gibt es Chancen in der Krise? Würden wir heute auch so handeln wie damals die NEU - Engenhahner? Fragen über Fragen, die zur Disskusion herausfordern!   
In diesem Jahr steht der Kirchengemeinde St. Martha Engenhahn ein bemerkenswerter Feiertag ins Gotteshaus. Abgesehen von den öffentlichen Feiertagen waren diese auch sonst sehr bescheiden, sie waren kein Alltag und nicht selbstverständlich wie heute. Unsere Vorfahren hatten deshalb für die Weihe der kleinen Kirche einen "Sonntag" ausgesucht, eben den 07.Juni 1891, der aktuell in diesem Jahr ein Dienstag ist.  -  Der Ursprung für unsere kleine Kirche lag eigentlich in Idstein. Er war zunächst ein Außenstehender, eben Kaplan Wilhelm Schilo, jung und dynamisch, gebürtig in Camberg (Bad Camberg) - Erbach, seit 1884 mit der Pfarrstelle in Idstein betraut, hatte die Notwendigkeit erkannt, in Engenhahn muss eine Kirche gebaut werden. Engenhahn war gerade von Oberjosbach, mit Wirkung vom 01. April 1888, nach Idstein umgepfarrt worden und seine Idee vom Kirchenbau viel bei der Gemeinde auf fruchtbaren Boden. Hatte doch der damalige Bürgermeister Johann Klomann und der Ortsvorstand von Engenhahn bereits 1869 beim Bistum Limburg die Einrichtung einer Missionsstelle betrieben, die dann Pfarrer Schilo am 11. 08.1889 im alten 1768 erbauten Rathaus einrichtete und ordnete für die Übergangszeit einen 14-tägigen Meßgottesdienst an. Ging es doch darum, die katholischen Bürger in Engenhahn von dem weiten und beschwerlichen Weg zu entlasten.
Ja, wie war das damals, wie wurde der Kirchenbau gestartet? Kaplan Schilo kaufte mit einem zinslosen Darlehn den Bauplatz. Der erworbene Grund und Boden war sein Eigentum; außerdem hatte er zuvor überall dafür weiteres Geld gesammelt. Mit den Spenden aus allen deutschen Landen, insbesondere aus dem Rheinland, Westfalen, Schlesien, Ost- und West-preußen, es kamen auch Russische Rubel und amerikanische Dollars, sogar eine Spende aus Alexandrien und nicht zuletzt aus ganz Europa. Schon damals herrschte mehr als nur der europäische Gedanke! Die Pläne für den neugotischen Baustil der Kirche fertigte der Bauschullehrer Alois Vogt aus Idstein, der auch die Gesamt-Bauleitung inne hatte.  Nur durch die  übergroße Hilfe der Engenhahner Freunde konnte dann am 20. Juni 1890 durch Domkapitular Geistlicher Rat Abt aus Limburg im Beisein von Kaplan Schilo der Grundstein für unsere Kirche, als Stätte der Begegnung der Menschen in Gott, seinem Wort und seinen Sakramenten gelegt werden. Das ganze Dorf war geschmückt, viele Bürger des Dorfes und Gäste aus nah und fern waren gekommen, um das einmalige Ereignis mit zu erleben. Vom Rathaus aus zogen die Menschen mit einer Prozession zur Baustelle, wo dann mit den bekannten Zeremonien die eigentliche Grundsteinlegung erfolgte.  
In gemeinsamer Arbeit, die sich über die einjährige Bauzeit erstreckte, wurde schließlich unter der Leitung von Kaplan Schilo die Bodenplatte begonnen. Unter der Anteilnahme und Mithilfe aller Bürger des Dorfes, was auch das harmonische Verhältnis der beiden Konfessionen ausdückte und vielen Bürgern aus den Nachbarorten des Seelbacher Grundes, konnten die Arbeiten gemeinsam mit dem Team Maurermeister Tappe, Dach-deckermeister Barthel, beide aus Idstein und Zimmermeister Niebergall aus Engenhahn bald zu Ende gebracht werden. Der umbaute Raum misst 1695 Kubikmeter, und das heutige Kleinod konnte mit 13.500,00 Goldmark gebaut werden.  -  Am 07. Juni 1891, also in einer Rekordzeit von knapp zwölf Monaten war es soweit, die neue Kirche konnte eingeweiht (benediziert) werden. Unter der Anteilnahme vieler Bürger nahm Domkapitular Hilpich, Limburg unter der Assistenz von Dekan Wolf, Camberg mit Kaplan Schilo, Idstein die Weihehandlung vor. Die Kirche wurde der Heiligen Martha geweiht.
Pfarrer Wilhelm Schilo hatte ja nun die Kirche auf den von ihm persönlich erworbenen Grund und Boden (Eigentum) gebaut. Etwas eigenartig, aber Geschichte. Nun stellte sich aber die Frage nach der Sicherstellung des Eigentums für die Zukunft, da Engenhahn keine eigene kirchliche Gemeinde (Rechtssubjekt) bildete und Schritte in dieser Beziehung bei den kirchlichen Behörden keine Aussicht auf Erfolg hatten, so blieb nur die Überschreibung auf die Pfarrgemeinde Idstein als Ausweg. Der dortige Kirchenvorstand erklärte sich bereit, die Engenhahner Kirche zu übernehmen, ihr den Rechtsschutz zu gewähren, jedoch müsse die Gemeinde Engenhahn, d.h. die dortigen Katholiken die Unterhaltungskosten selbst tragen. Auch erklärte der Kirchenvorstand, keine Schwierigkeit erheben zu wollen wenn im Laufe Zeit die bischöfliche Behörde, die Übertragung der Kirche auf ein anderes Rechtssubjekt verfügen solle.  -  Die Engenhahner verstanden die Sachlage - Fehlen eines Rechtsubjektes in Engenhahn - nicht und wollten von der Überschreibung auf die Pfarrei Idstein nichts wissen. Da sich ein anderer Ausweg nicht fand, wartete Pfarrer Schilo die Beruhigung der Bürger von Engenhahn ab, leitete später die Sache ein und so erfolgte die Übertragung auf die Pfarrgemeinde Idstein durch Akt vom 30sten November 1894, also drei Jahre später nach dem Bau der Kirche, in Form eines Vertrages der betreffenden Grundstücke. Somit war nun alles glücklich geregelt! Es dauerte weitere vier Jahre bis dann formal die Kapellengemeinde (Kirchengemeinde) St. Martha errichtet wurde und die Eigentumsrechte wieder nach Engenhahn übertragen werden konnten.
DAS SEIT 1963 UNTER DENMALSCHUTZ STEHENDE GOTTESHAUS BRAUCHT AUCH WEITERHIN UNSERE HILFE UND SIE SOLLTE ALS FLAMMENDES EXPERIMENT UND ANLIEGEN ALLER MENSCHEN IM SEELBACHER GRUND UND IM BESONDEREN UNSERES BERGDORFES ENGENHGAHN FÜR DIE ZUKUNFT AUS DIESER GEMEIN- SCHAFT HERVORGEHEN.
Bankverbindung    St.   Martha   Engenhahn:    Nassauische  Sparkasse,   BLZ  510  500  15  Kto.   Nr.:   238  007  356
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In den vergangenen Jahren hat sich wieder diese Gemeinschaft gezeigt. 2009 konnte mit der großen  Außenrenovierung der Kirche begonnen werden. Doch es hat seine Zeit gedauert. Sicher konnten sich viele Gottesdienstbesucher in dieser Zeit einen Eindruck von der sehr umfangreichen Sanierung der Außenflächen verschaffen. Bei den Arbeiten hat sich auch gezeigt, dass von Anfang an beim Bau der Kirche im Jahr 1890 / 91 gespart werden musste. Allein die Verwendung von heimischem Grauschiefer, den man wahrscheinlich ganz in der Nähe am Wiesbadener Berg abgebaut hat, wurden die Handwerker bei dessen Verarbeitung unter den damaligen technischen Bedingungen vor einige Probleme gestellt. Der frühere Außenputz war mit Kalkmörtel hergestellt, im Gegensatz wurde in den siebziger Jahren ein neuer Außenputz mit Zementmörtel aufgetragen. Man wollte etwas für die Haltbarkeit tuen, dies war aber nach den heutigen Erkenntnissen fehlerhaft.  -  Mit der neuen Außensanierung ist die Katholische Kirchengemeinde St. Martha Engenhahn in Sachen Substanzerhaltung der Kirche ein großes Stück nach vorne gekommen. Als Nächstes zeigt sich die notwendige gründliche Sanierung des Kircheninnenraumes, dessen Grundsubstanz aus dem Jahre 1963 stammt. Damals haben die Verantwortlichen die schöne neugotische Bemalung entfernt, die 1913 der Engenhahner Maler Ludwig Roth, im Alter von 54 Jahren mit seinem Sohn  ausgeführt hatte. Schade! Schade! Sind doch die Wandflächen heute sehr kahl. Die Kosten für die Innensanierung dürften etwa in der gleichen Größenordnung wie die im vergangenen Jahr 2010 abgeschlossene Außensanierung liegen. - Der barocke Hochaltar bedarf ebenfalls einer Restaurierung, an dem bereits 1971 im hinteren Teil ein Holzwurmbefall festgestellt wurde. Der Altar ist sehr wertvoll, er entstand um 1670 und ist im Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Hessen) von Georg Dehio, katalogisiert; also künstlerisch und historisch eine große Bereicherung für unsere Kirche. Auch das Altarbild, das im Rektabel die Krönung Mariens zeigt, ist die Restaurierung sehr wichtig, um einer weiteren Zerstörung des Kleinods vorzubeugen und es für die heranwachsenden Generationen zu erhalten. Weiß man eigentlich von dieser Schönheit? Es lohnt sich sicher, gemeinsam über diesen historischen Hochaltar nachzudenken, um ihn in das Licht der Gegenwart zuführen.
Aktuell steht das 120 Jahre alte Kirchenfest sicher auch unter dem Schutz des Bergdorfes Engenhahn, das seinerseits 790 Jahre alt ist, beide noch jung genug zu unserer Erd-geschichte, aber auch alt genug, für die erlebte Zeitgeschichte zur Verkündigung des Evangeliums ein standhafter Garant geblieben zu sein. Wurde doch damals mit den Spenden auf erfreuliche Weise diese Stätte der Begegnung für Menschen in Gott, seinen Sakramenten und dem ökumenischen Denken geschaffen, die vor dem Hintergrund zeit-naher Geschehnisse, den Blick nach oben zu unserer Bergkirche und Gott Vater allezeit rechtfertigt sowie es Pfarrer Jürgen Paul, unser Pfarrverwalter, an Pfingsten 2010 auf den Punkt brachte: EIN HAUCH GOTTES! WIR GLAUBEN, DASS ES NEBEN DEM HAUCH VON ABENTEUER UND FREIZEIT NOCH MEHR GIBT!
Ich stehe als Chronist und Dorfschreiber eigentlich am Anfang, obwohl ich in diesem Jahr auf ein 10-jähriges Jubiläum des Ehrenamtes zurück schauen kann. Darauf bin ich stolz! Versuche ich doch mit einer Anleihe bei der fließenden Geschichte meiner Heimat zwischen Alt und Neu den Wandel in unserem schönen zweigeteilten Bergdorf Engenhahn-(Wildpark) in handschriftlicher Form, die Dorfchronik aufzuschreiben, um gelebtes Leben zu erhalten, verbunden mit dem Wunsch, dass der erste Band in Buchform bald gedruckt werden kann.


Willi Schwarz Chronist, Dorfschreiber und Beauftragter für Kirchengeschichte

 



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